Atelier Huffer Wenzel





Dommuseum, Frankfurt

 
Die Frankfurter Altstadt wurde im Krieg nahezu vollständig zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte nach den städtebaulichen Vorstellungen der Moderne. Hauptmerkmal dabei war der Neubau des Technischen Rathauses, welches einen neuen Maßstab im Bereich der ehemaligen Altstadt darstellte. In den siebziger und achtziger Jahren erkannte man, dass das Außerachtlassen von Geschichte für den Ort von erheblichem Nachteil ist. In dieser Zeit entstand aufgrund eines viel beachteten Wettbewerbs der Bau der Schirn (Bangert Janssen Schultes) und der Saalgasse, sowie der Wiederaufbau der historischen Bauten am Römer. Nach dem Beschluss zum Abriss des Technischen Rathauses entstand ab 2004 eine Planung, die dem historischen Stadtplan folgt. Dabei werden wenige Häuser rekonstruiert, für den größeren Teil wurde ein Wettbewerb durchgeführt, auf dessen Grundlage zeitgenössische Architektur auf den alten Grundstücken errichtet wird.

Der Entwurf versucht die unklare städtebauliche Situation um Domensemble und Domplatz mit einer neuen Setzung zu klären und so den öffentlichen Raum zu stärken. Als Stadtbaustein führt das Museumsgebäude den Blockrand vis-à-vis dem Marienportal des Doms fort und bildet den Endpunkt einer Blickachse zum neu entstehenden Dom-Römer-Areal.

Dommuseum
Der öffentliche Raum im Erdgeschoss vermittelt dabei zwischen den beiden Nutzungen Museum und Domsingschule. Das Museum ist so konzipiert, dass ein unterirdischer Rundweg den neuen Stadtbaustein mit dem historischen Kreuzgang am Dom verbindet. Der als „Hortus Conclusus“ wiederhergestellte Paradiesgarten im Kreuzgang stellt dabei den Wendepunkt des Ausstellungsrundgangs dar. Eine Rotunde mit Opaion dient als Verteilerraum und Orientierungspunkt und leitet den Besucher in eine Enfilade aus farblich differenzierten Ausstellungsräumen. Die einzelnen Museumsräume wurden nach klassischen Proportionen und mit kräftigen Farben auf Putzflächen entworfen. Das dabei verwendete historisch angelehnte Farbspektrum reicht von tiefen Opalgrün/Oxidrot/Indigoblau-Tönen über Purpurviolett bis hin zum Himmelblau der Wechselausstellung. Laibungen aus Eiche sowie eine Holzleiste zur Begrenzung des Betonfrieses und Hängung der Bilder geben dem Raum Struktur und Gliederung.

Domsingschule
Die Domsingschule entwickelt sich als klassisch organisiertes Stadthaus in den Obergeschossen. Das Notenarchiv als Zentralraum mit Galerie fungiert dabei als „Herz“ des Gebäudes und hölzerner Klangkörper der Schule. Von hier aus lassen sich alle Räume betreten, er ist gleichzeitig das kommunikative Zentrum des Hauses. Im Dachgeschoss des Walmdachs befindet sich ein großer Proberaum mit Galerien und Stadtbalkon. Die Domsingschule zeichnet sich durch die warme, freundliche und elegante Wirkung der strukturell gegliederten Holz- und Putzflächen, sowie den Parkettböden aus.

Materialität
Die Fassade fügt sich in die sehr heterogene Umgebung aus mittelalterlichem Dom, Gründerzeitbebauung und Nachkriegsarchitektur durch ihre aus der Gotik abgeleitete Betonskelettkonstruktion mit großem Eingangsportal, Mittelrisalit und differenzierten Fassadenproportionen ein und vermittelt zwischen diesen. Die feingliedrige Staffelung der einzelnen Geschosse und Wandflächen mit vorgefertigten Sichbetonelementen, Putzflächen und Bronzebeschlägen fügt sich in die Frankfurter Altstadt ein, ohne historisierend zu wirken.

Der neue Stadtbaustein fügt sich so vornehm und bestimmt in seine Umgebung ein und bildet ein wertiges Gegenüber zum mittelalterlichen Kaiserdom Frankfurts.

In Kooperation mit Robert Rau



Projekt

3. Semester Master
Universität Stuttgart
Wintersemester 2015 | 2016
Institut für öffentliche Bauten und Entwerfen
Prof. Alexander Schwarz