Atelier Huffer Wenzel





Lucas Cranach Akademie, Kronach

 
Die freie Masterthesis im Fachbereich Architektur an der Universität Stuttgart setzt sich mit der historisch gewachsenen, europäischen Stadt auseinander und versucht, in Abkehr des architektonischen Bruchs der Moderne und der oftmals seelenlosen Rekonstruktion verblasster Erinnerungen, zeitlose und allgemeingültige Lösungen auf die Fragen des Weiterbauens im Kontext zu finden. Das Bauen im ländlichen Raum, bzw. in Kleinstädten wie Kronach setzt dabei auch immer eine intensive Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen wie Abwanderung, Überalterung und der Begegnung mit Leerstand voraus.
Einen Versuch, Antworten auf diese Fragen zu finden liefert der Entwurfsansatz, welcher eine Kunstakademie mit angelagertem Gästehaus und öffentlichem Museum mit der gewachsenen historischen Stadt gesellschaftlich, kulturell und architektonisch verwebt und so das Ensemble zu einem zentralen Ort der Stadt werden lässt. Die Arbeit setzt sich dabei mit den klassischen vitruvianischen Architekturthemen, wie Beständigkeit, Nützlichkeit und Schönheit, aber auch mit Identität und Sinnlichkeit auseinander.

Programm
Die Lucas Cranach Akademie ist ein Haus der Kunstbildung. In mehrtätigen Workshops sollen Schulklassen, Kindergruppen, aber auch Erwachsene an die Themen Kunst, Gestaltung, Ästhetik und Architektur herangeführt werden. Das Gebäude versteht sich dabei als Ort des Lernens, Erfahrens, Begreifens, aber auch des Austauschs und Dialogs. Der angegliederte Kunstraum für zeitgenössische Kunst in der historischen Kemenate, das Gästehaus mit Künstlercafé, sowie der Akademiehof stehen der Stadt und ihren Bürgern offen und sollen so neues Leben in die Altstadt bringen.

Stadtbild & Architektur Das neue Kunstensemble fügt sich durch Gebäudekomposition, Kubatur und Materialität sensibel in den historisch gewachsenen Stadtraum ein und setzt sich für einen sinnlichen Minimalismus im Gegensatz zur Abstraktion der Moderne ein. Aus einem tiefen Verständnis des Ortes entwickelt sich eine städtebauliche Setzung, die einen dem Marktplatz zugewandten Solitär als markanten Endpunkt des Stadtblocks mit Akademiehof zur Amtsgerichtsstraße vorsieht. Das Gästehaus stellt dabei den profanen Abschluss der Bürgerstadt im Süden und ein Gegenüber zur Akademie dar. Die historische Kemenate bleibt in ihrem Bestand erhalten und beherbergt ein kleines Museum für Gegenwartskunst und Raum für Ausstellungen der Akademieschüler und übernimmt die zum Marktplatz gewandten öffentlichen Funktionen des Ensembles. Der Akademiehof bindet als „Herz“ und neues Zentrum der Anlage Akademie, Kunstraum und Gästehaus zusammen.
Konstruktion & Material Charakterisiert wird das Ensemble durch eine starke Verwandtschaft der Gebäude in Konstruktion, Fassade und Materialität. Neben der historischen „steinernen“ Kemenate bekommen die beiden giebelständigen Betonhäuser eine Fassade aus lokalem Sandstein und interpretieren so das gewachsene Stadtbild. Große Fensteröffnungen mit Betongesimsen gliedern das Volumen und verorten die Gebäude klar in der Gegenwart. Das große schützende, gotische Dach der Akademie ist mit geätzten Glasschindeln gedeckt, um das Atelier mit Tageslicht zu versorgen und gleichzeitig eine ruhige Dachlandschaft zu gewährleisten.

Die neuen Stadtbausteine fügen sich so in die gewachsene historische Stadt ein, führen ihre Traditionen und Konventionen fort, ohne aber ihre zeitgenössische Urheberschaft zu verraten.

Stadtansicht: Stadtarchiv Kronach bearbeitet



Projekt

Masterthesis Architektur
Universität Stuttgart
Wintersemester 2016 | 2017
Institut für öffentliche Bauten und Entwerfen
Prof. Alexander Schwarz
Prof. Dr. Klaus-Jan Philipp