Atelier Huffer Wenzel





Ryokan, Hasedera

 
Das etwas abseits der Touristenhochburgen Kyoto und Nara gelegene Bergdorf Hasedera besticht durch sein geschlossenes Straßenbild mit traditionellen Haustypologien. In diesem Kontext möchte sich das neue Reisegasthaus einfügen und das bestehende Ensemble weiterbauen. Die Typologie eines Ryokan wird als dienende, dem Dorfleben zugeordnete Nutzung interpretiert und dementsprechend dort verortet. So bietet sich dem Pilger die Möglichkeit während des Aufstiegs zum Tempel, sich auf seine spirituellen und religiösen Gedanken zu fokussieren.
Die Architektursprache des Neubaus will sich sensibel und leise in das Ensemble einfügen. So werden traditionelle Architekturelemente wie weit auskragende Dächer, traditionelle Fassadengliederungen, Volumen und Geschossigkeiten übernommen und in eine moderne Architektursprache übersetzt.

Typologie
In Anlehnung bestehender Dorfstrukuren und japanischer Bautraditionen gliedert sich das Bauvolumen in Haupt- und Nebengebäude.Dabei umschließen die drei Baukörper windmühlenflügelartig einen Innenhof und bilden so ein räumlich spannendes Ensemble aus Ein- und Durchblicken aus. Die jeweils eingeschossigen Zwischenbauten nehmen Sondernutzungen und den Eingangsbereich auf.
Die Baukörper sind modular aufgebaut und nehmen Bezug zu traditionellen Grundrisselementen wie Umgang, frei und flexibel nutzbaren Grundrissen, sowie Tokonoma und Shoji. Jedes Hausmodul besteht aus 6 Raumfeldern mit einem aussteifenden Erschließungs und Nasszellenkern. Ein Umgang verbindet alle Zimmer und stellt den Übergang zum Außenbereich dar.

Maßsystem
Ausgehend von der Tatamimatte (95,5 x 191cm) als Basismodul wurde ein Raster entwickelt und konsequent auf Konstruktion, Bauteilabmessungen sowie Proportionierung wichtiger Räume angewendet. So bilden wichtige Innen- wie Außenräume klassische Proportionen wie Prime, Quarte, Doppeloktave und Goldener Schnitt nach. Das Modul versucht dem Ideal eines harmonischen Gebäudes nahezukommen.

Konstruktion
Ganz der Japanischen Holzbautradition verbunden wurde das Gebäude in moderner Holzskelettbauweise entwickelt. Der Aussteifung des Gebäudes dient ein betonierter Nasszellenkern in jedem der drei Gebäude sowie die als Scheibe ausgebildete Decke.
Das japanische Prinzip der Stapelung von Bauteilen wird im Gebäude übernommen und neu interpretiert. Die auf Stützen aufliegenden, ebenengleichen Träger dienen als Primärkonstruktion des Gebäudes. Sie sind mit dem in Japan entwickelten Siteku Holzbausystemknoten verbunden und stellen eine biegesteife Verbindung zwischen Stütze und Träger her. Da mit ebenengleiche Anschlüssen systembedingt keine Auskragungen möglich sind, liegt auf dieser Primärkonstruktion eine Deckenscheibe auf, die in alle Richtungen auskragt. Der Umgang, bzw. Erschließungsbereich werden dadurch als eigenes Element ablesbar und die Fassade wird statisch nicht mehr beansprucht.
Die Konstruktionsart ermöglicht das Öffnen der Fassade im Erdgeschoss wodurch die für Japan typische Raumwirkung des ineinanderfließens von Innen- und Außenraum ermöglicht wird.





Projekt

1. Semester Master
Universität Stuttgart
Wintersemester 2014 | 2015
Institut für Baukonstruktion 1
Prof. Peter Cheret